Es gibt Zeiten, in denen man sein ganzes Leben neu sortieren muss
- 8. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Leben, in denen man feststellt, dass man nicht einfach nur seinen Kalender neu sortieren muss, sondern das gesamte eigene Leben. Momente, die man sich nicht aussucht, die aber trotzdem Entscheidungen verlangen. Entscheidungen, die zunächst vieles durcheinanderbringen, bevor sie irgendwann wieder Ordnung schaffen. Genau an so einem Punkt stehe ich gerade.
In meinem persönlichen Leben hat sich in den letzten Wochen einiges verändert. Manche Veränderungen kommen leise, andere treffen einen mit voller Wucht. Plötzlich funktionieren Routinen nicht mehr, Prioritäten verschieben sich und Dinge, die jahrelang selbstverständlich waren, müssen neu gedacht werden. Das ist nicht immer angenehm. Es kostet Kraft, Zeit und manchmal auch den Mut, Gewohntes loszulassen. Aber manchmal führt genau daran kein Weg vorbei.
Von außen betrachtet wirkt das vielleicht wie eine reine Umstrukturierung meines Arbeitsalltags. Tatsächlich steckt aber viel mehr dahinter. Ich habe in den letzten Wochen etwas gelernt, das ich wahrscheinlich schon viel früher hätte verstehen müssen: Zeit ist nicht das Wertvollste, was wir besitzen. Energie ist es.
Wer selbstständig arbeitet, kennt das vielleicht. Man versucht allem und jedem gerecht zu werden, beantwortet Nachrichten zwischendurch, schiebt Termine irgendwo hinein, sagt lieber einmal zu oft Ja als einmal Nein und merkt irgendwann, dass man selbst dabei auf der Strecke bleibt. Lange habe ich geglaubt, genau das würde Professionalität ausmachen. Heute sehe ich das anders.
Aus all diesen Gründen habe ich mich dazu entschieden, meine Arbeitsweise neu zu strukturieren. Nicht aus einer Laune heraus und auch nicht, um künstlich Verknappung zu erzeugen, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich langfristig nur dann gute Arbeit leisten kann, wenn ich sie mit voller Konzentration und einem klaren Kopf mache. Das bedeutet auch, dass nicht mehr alles jederzeit und irgendwie dazwischen möglich sein wird. Künftig finden meine Tattoo-Termine überwiegend am Nachmittag statt, Wochenendtermine plane ich individueller und insgesamt wird es weniger verfügbare Termine geben. Nicht, weil meine Leidenschaft für Tattoos kleiner geworden ist – ganz im Gegenteil. Sondern weil ich jedem einzelnen Projekt den Platz geben möchte, den es verdient. Manche Termine werden deshalb etwas mehr Planung brauchen und vielleicht braucht die ein oder andere Nachricht auch einmal einen Moment länger. Dafür bekommt jedes einzelne Projekt genau das, was es verdient: Zeit, Aufmerksamkeit und den Raum, den gute Arbeit einfach braucht.
Ich möchte an dieser Stelle aber auch ehrlich sein. Veränderung bedeutet nicht, dass vom ersten Tag an alles perfekt funktioniert. Vielleicht dauert eine Antwort auf eine Nachricht einmal länger als gewohnt. Vielleicht rutscht mir eine Benachrichtigung durch oder ein Termin braucht einen zweiten Blick. Nicht, weil mir meine Kundinnen und Kunden unwichtig wären, sondern weil ich mich gerade mitten in einer Phase befinde, in der sich ein komplettes System neu sortiert. Und solche Phasen verlaufen selten geradlinig.
Ich glaube inzwischen, dass Stärke nicht bedeutet, immer alles gleichzeitig schaffen zu müssen. Stärke bedeutet auch, Grenzen zu ziehen. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Dinge neu zu ordnen, bevor sie einen dauerhaft überfordern. Genau das tue ich gerade.
Wer mich kennt, weiß, wie viel Herzblut ich in meine Arbeit stecke. Das wird sich nicht ändern. Vielleicht wird es sogar noch intensiver. Denn wenn ich künftig weniger Termine vergebe, entscheide ich mich ganz bewusst dafür, jedem einzelnen Menschen und jedem einzelnen Tattoo die Zeit zu schenken, die beides verdient. Ein Tattoo begleitet einen Menschen oft ein Leben lang. Es sollte deshalb nicht zwischen Hektik und Zeitdruck entstehen, sondern mit Ruhe, Konzentration und voller Hingabe.
Ich weiß nicht, ob Veränderungen jemals leicht sind. Ich glaube sogar, dass sie das selten sind. Aber ich glaube fest daran, dass sie notwendig sein können, damit aus einem bloßen Funktionieren wieder ein bewusstes Leben wird. Und genau diesen Weg gehe ich gerade.
Danke an alle, die diesen Weg mit Verständnis, Geduld und Vertrauen begleiten. Das ist alles andere als selbstverständlich – und genau deshalb weiß ich es umso mehr zu schätzen.



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