Tattoo im Sommer – gute Idee oder lieber bis zum Herbst warten?
- vor 2 Tagen
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Sobald die Temperaturen steigen, höre ich jedes Jahr denselben Satz:
„Im Sommer kann man sich doch gar kein Tattoo stechen lassen, oder?“
Die Antwort lautet: Doch, kann man.
Aber – und das ist ein ziemlich wichtiges Aber – der Sommer macht die Heilung eines frischen Tattoos oft deutlich anspruchsvoller.
Ein frisches Tattoo ist eine Wunde
So schön dein neues Tattoo auch aussieht – für deinen Körper ist es zunächst einmal eine Wunde. Deshalb entscheidet die Heilungsphase maßgeblich darüber, wie dein Tattoo am Ende aussieht.
Und genau hier wird der Sommer manchmal zum kleinen Spielverderber.
Hitze, Schweiß, UV-Strahlung, Freibad, Badesee, Strand, Sport und enge Kleidung sind alles Faktoren, die die Nachsorge erschweren können. Keiner davon ist für sich allein eine Katastrophe – zusammen können sie die Heilung aber unnötig kompliziert machen.
Second Skin ist super – aber keine Klimaanlage
Ich arbeite unter anderem mit Second Skin, weil sie das frische Tattoo vor Schmutz und Bakterien schützt und die ersten Stunden oder Tage der Heilung unterstützen kann.
Was sie allerdings nicht kann, ist verhindern, dass du im Hochsommer schwitzt.
Gerade an heißen Tagen sammelt sich unter der Folie häufig Schweiß zusammen mit Wundflüssigkeit. Das ist zunächst völlig normal und kein Grund zur Panik.
Problematisch wird es erst, wenn sich die Folie durch starkes Schwitzen löst oder sich an den Rändern öffnet. Dann verliert sie ihre Schutzfunktion und sollte – je nach Situation und Herstellerempfehlung – entfernt werden.
„Ich bleibe einfach im Schatten.“
Das klingt erstmal nach einem guten Plan.
Leider ist Schatten nicht automatisch gleichbedeutend mit UV-Schutz.
Ein Teil der UV-Strahlung wird in der Atmosphäre gestreut oder von Wasser, hellen Hauswänden oder anderen Oberflächen reflektiert. Dadurch erreicht auch im Schatten noch UV-Strahlung deine Haut.
Gerade an Tagen mit einem hohen UV-Index kann das für ein frisches Tattoo problematisch sein.
Deshalb gilt: Ein frisch gestochenes Tattoo sollte weder direkter Sonne ausgesetzt werden, noch solltest du stundenlang draußen verbringen – auch dann nicht, wenn du glaubst, komplett im Schatten zu sitzen.
Baden? Leider nein.
Ich weiß.
Das ist wahrscheinlich der Satz, den im Sommer niemand hören möchte.
Duschen ist natürlich völlig in Ordnung.
Aber Freibad, Badesee, Whirlpool oder Meer sollten warten, bis dein Tattoo vollständig verheilt ist.
Chlor, Salzwasser und natürliche Gewässer können die Wundheilung beeinträchtigen und das Risiko für Infektionen erhöhen.
Und nein…
„Ich gehe nur fünf Minuten rein.“
Das zählt leider trotzdem.
Warum ich große Projekte im Sommer nur selten annehme
Jetzt kommt der Teil, der speziell meine Arbeitsweise betrifft.
Kleine Tattoos steche ich selbstverständlich auch im Sommer.
Bei großflächigen Projekten treffe ich allerdings oft eine andere Entscheidung.
Da empfehle ich meinen Kundinnen und Kunden häufig, lieber bis zum Spätsommer/Herbst oder Winter zu warten.
Nicht, weil ein Tattoo im Sommer grundsätzlich nicht möglich wäre.
Sondern weil ich möchte, dass dein Tattoo unter den bestmöglichen Bedingungen verheilt.
Große Tattoos bedeuten mehr verletzte Haut, eine größere Wundfläche und meist auch eine längere Heilungsphase. Gleichzeitig schwitzt man im Sommer mehr, Kleidung reibt häufiger auf der Haut und die UV-Belastung ist deutlich höher.
Kann das trotzdem gut heilen? Klar...
Aber warum sollten wir die Ausgangsbedingungen unnötig erschweren, wenn wir sie mit ein bisschen Geduld deutlich verbessern können?
Mein Fazit
Ein Tattoo im Sommer ist absolut möglich.
Es verlangt allerdings etwas mehr Disziplin als im Herbst oder Winter.
Wenn du bereit bist, dein Tattoo konsequent zu pflegen, Sonne zu meiden, auf Baden zu verzichten und deinem Körper die Ruhe zu geben, die er braucht, spricht grundsätzlich nichts gegen einen Termin.
Bei großen Projekten empfehle ich dagegen häufig, noch ein paar Wochen zu warten.
Denn mein Ziel ist nicht, dass dein Tattoo heute gut aussieht.
Mein Ziel ist, dass du es auch in zehn oder zwanzig Jahren noch genauso liebst.
Und wenn ich dir deshalb einmal zu etwas Geduld rate, dann nicht, weil ich dir den Sommer verderben möchte.
Sondern weil ich möchte, dass dein Tattoo die bestmöglichen Voraussetzungen für eine schöne und langfristige Heilung bekommt.



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