
„Sechs Monate Chaos, ein Beinbruch & die Erkenntnis, dass Kaffee ein Lebensstil ist“
- Serina John
- 26. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Mein Gott… wie lange habe ich bitte keinen Blogbeitrag geschrieben? Ein halbes Jahr! Wenn ein Blog sprechen könnte, würde meiner wahrscheinlich beleidigt in der Ecke sitzen und sagen: „Ach guck mal, sie lebt ja noch.“
Und ja – ich lebe.
Irgendwie zumindest.
Zwischen Hunden, Kindern, Tattoo-Nadeln, Holzstaub, Schulwechsel, Notaufnahmen und einem Hauch von Selbstzerstörung durch Weihnachtsgebäck.
Es tut mir leid, dass ihr so lange nichts zu lesen hattet. Das holen wir jetzt nach, aber nur kurz 😂
Der Sommer, der uns ausgelacht hat
Unser Sommer hätte wunderschön werden können.
Hätte.
Konjunktiv.
Ganz wichtig.
Denn kurz vor den Sommerferien beschließt das Universum:
„Lass mal schauen, wie belastbar diese Familie ist.“
Zack, Fabi erleidet einen Beinbruch bei einem Fahrradunfall.
Also Operation, Geräte, Rollstuhl, Physiotherapie und plötzlich fühlt man sich wie in einer Doku:
„Leben zwischen Hunden, Kindern und Orthopädie.“
Und ich?
Neue Jobbeschreibung: Alleinunterhalterin mit 20 Zusatzaufgaben.
Alle vier Stunden mussten die Hunde raus, Haushalt, Kochen, Einkaufen, Arbeiten, Kinder bespaßen, Emotionen jonglieren.
Während die Frau, die sonst nicht da ist oder mit der man sich sonst die Aufgaben teilt, plötzlich stationär im eigenen Wohnzimmer liegt.
Macht Spaß – auf so eine „Challenge“ hat man wirklich immer gewartet.
Spoiler: Wir haben’s trotzdem gerockt.
Weil wir müssen.
Und weil wir’s können.
Auch wenn’s zwischendurch eher nach „ sinkender Titanic“ als nach dem harmonischen „ Traumschiff “ aussah.
Also war man mit Krücken und Orthese im Freibad, fuhr mit Rollstuhl zum Esstisch und vor ein paar Wochen haben wir dann auch die Wandschäden an den Türdurchgängen von eben diesem beseitigt.
Schulwechsel – oder: Wann wird man als Mutter eigentlich offiziell Pädagogin?
Dann kam ein weiterer großer Moment:
Mein kleiner Sohn wechselt aufs Gymnasium.
Und plötzlich hatte ich Fragen im Kopf wie bei „Wer wird Millionär?“ – nur ohne Joker:
Wird er zurechtkommen?
Wird er Spaß haben?
Wird er gute Noten schaffen?
Wird er weinen? Werde ich weinen?
Wird irgendwer weinen?
Neues System, neue Lehrer, neue Fächer.
Und natürlich neue Bürokratie – denn ohne die wäre Schule nicht Schule.
Ich sag’s, wie’s ist:
Manchmal habe ich das Gefühl, wir Eltern müssten für diese Phase eigentlich automatisch eine pädagogische Teilzeit-Ausbildung bekommen.
Gratis.
Mit Diplom.
Twinwin – das Event, das uns getestet hat (und wir haben bestanden)
Eines Abends scrolle ich so rum und lande bei Jers Beitrag zur Stammzellspende.
Darunter der Aufruf an die Studios bei der Twinwin-Aktion teilzunehmen.
Ich zeige es Fabi.
Sie nickt.
Ich nicke.
Und damit war die Sache beschlossen.
Planung: 2 Monate
Gefühlte Stimmung: 10 Monate
WhatsApp-Gruppe: 200 Studios mit weniger Drama als jede durchschnittliche WhatsApp-Mutti-Gruppe
Kein Neid.
Keine Missgunst.
Nur ehrliche Unterstützung, Austausch,Brainstorming und Input. Teilweise 800 Nachrichten in weniger als 3 Stunden.
Ich war kurz irritiert – ich wusste nicht mal mehr, dass das geht.
Dann der Tag selbst.
Ich steche 55 Tattoos.
FÜNFUNDFÜNFZIG.
Ich war an diesem Tag eine Tätowiermaschine auf Espresso und ich war in einem ständigen Kreislauf zwischen Arbeitsstuhl und dem Buffet. Das war nämlich fantastisch lecker.
Und natürlich – NATÜRLICH – ruft dann das Kind an:
„Mama… ich bin im Indoor-Spielplatz hingefallen… Krankenhaus… Verdacht auf Nasenbeinbruch…“
Ich liebe diese Netflix-Plot-Twists des Lebens.
Also:
Alles abgeben, Team übernehmen lassen, ins Krankenhaus düsen.
Glück gehabt – nichts gebrochen.
Und da zu Hause gefühlt ein halbes Pflegeteam anwesend war, wurde der kleine Patient hier luxuriöser versorgt als auf einer Privatstation.
Ein paar Tage später:
Schwellung weg, Augen wieder normal, Drama durch.
Weiter im Text.
Herbststimmung, Holzstaub & „Warum gibt es sowas eigentlich nicht?“
Kaum war der Sommer vorbei, kam auch schon der Herbst, der sich dachte:
„So, Überraschung! Hier bin ich!“
Zwischendrin habe ich Holzaufträge erledigt, gearbeitet, gelebt, überlebt – wie man das eben macht.
Und dann saß ich eines Tages da und dachte:
Tätowierer brauchen Kalender. Spezifische.
Für Notizen.
Für Termine.
Für Ideen oder Skizzen, Ziele oder Reflexion.
Aber das gab es bisher nicht.
Also hab ich’s geändert.
Ich habe meine eigenen Kalender gebaut.
Am Rechner.
Mit Liebe.
Mit Kaffee, mit Tee und Matcha.
Mit Nerven. Tage- und Nächte lang.
Und sie dann bei Amazon hochgeladen.
Weil warum nicht?
Wenn’s keiner macht, mach ich’s halt selbst.
Mein Motto seit Jahren.
Fitness, Zucker & die bittere Wahrheit über Weihnachten
Ich war das ganze Jahr über super konsequent:
Kein Zucker.
Gesund.
Sportlich.
Diszipliniert.
Und dann kam der Beinbruch.
Und meine mentale Gesundheit so:
„Okay… wir snacken jetzt alles.“
Seitdem habe ich gefühlt die Hälfte aller Lebkuchenvorräte Niedersachsens vernichtet.
Aber ganz ehrlich:
Es ist Vorweihnachtszeit!
Wer zur Hölle schafft es bitte, in dieser Zeit clean zu essen?! Es gibt viel zu viele köstliche Leckereien. Ich habe eine Schwäche für gutes Essen. Irgendwie hab ich bei kalten Temperaturen weniger Lust auf kalten Salat.
Ich schaff es nicht.
Aber ich bereue auch nichts.
Im Januar starten wir neu.
Wie jedes Jahr.
Team „Bikini-Figur in 6 Monaten mit Hoffnung, Proteinen und Verzweiflung“.
Mein Appell an euch aus der ganzen Zeit
So viel ist passiert.
So viel Chaos.
So viel Schönes.
So viel Nerviges.
Und trotzdem bleibt eines hängen:
Freundlichkeit ist ein verdammt unterschätztes Superpower-Tool.
Es kostet nichts:
Ein Lächeln.
Ein nettes Wort.
Eine Duftkerze für eine Freundin, die eine braucht. (Duftkerzen braucht man immer - jeder braucht sie)
Der Kassiererin wirklich – und ich meine wirklich – einen schönen Feierabend wünschen.
Und nein, wir sollten nicht nur im Dezember daran denken.
Wir können das ganze Jahr nett sein.
Es tut weder weh noch macht es dick.
Also theoretisch.
In diesem Sinne:
Seid freundlich.
Tut Gutes.
Lebt.
Genießt Weihnachten – mit allem und jedem der euch wichtig ist.
Auch mit Plätzchen.
Vor allem mit Plätzchen.
Bis zum nächsten Mal.



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